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Kurt Höfer erinnert sich

Kurt Höfer erinnerte sich 1996 während einer Veranstaltung in Chemnitz zum 60. Jahrestages der Bildung der Internationalen Brigaden. Er war der letzte der Freiwilligen aus Chemnitz und Vorsitzender der Sektion ehemaliger Spanienkämpfer im Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes und ihrer Hinterbliebenen e.V. in der Bundesrepublik. Der folgende Beitrag ist ein Wortprotokoll ohne sprachliche Anpassung.

Kurt Höfer wurde am 20. März 1915 in Erfenschlag/Einsiedel bei Chemnitz geboren. Nach der Volksschule besuchte er eine Handwerksschule und arbeitete nach deren Abschluß in der Landwirtschaft. Er engagierte sich im Arbeitersport und wurde 1930 Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD). Nach dessen Verbot 1933 blieb er seiner antifaschistischen Überzeugung treu, arbeitete illegal und wurde verhaftet. Die Nazis verschleppten ihn in die Konzentrationslager Sachsenburg bei Frankenberg und Burg Hohenstein im Elbsandsteingebirge. 1934 wurde er nach kurzeitiger Entlassung erneut verhaftet und zu neun Monaten Haft wegen Teilnahme an illegalen Beratungen der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Gemeinsam mit seinem Freund Fritz Baumgärtel fuhr er am 1. Januar 1937 von Chemnitz aus in Richtung Spanien. Die erste Station in Spanien war die Festung Figueras. Später kam er nach Albacete zum "Thälmann"-Bataillon der XI. Internationalen Brigade (IB). Er kämpfte als Partisan in einer Einheit hinter feindlichen Linien. Später wurde er Leutnant und Kompanieführer, war in der 86. Brigada Mixta und der 129. Brigade im Einsatz. Er befand sich an den Fronten am Jarama, der Extremadura, bei Levante und Teruel. Im Kampf wurde er mehrfach verwundet, Im Jahr 1938 trat er der "Vereinigte Sozialistische Jugend Spaniens" bei. Freiwillig meldete er sich zum 2. Einsatz der IB. Am 8. Februar 1939 überschritt er die Grenze nach Frankreich und wurde in den Lagern St. Cyprien, Gurs, Argeles Sur Mer und Mont Louis interniert. Im April 1941wurde er nach Deutschland ausgeliefert und kam in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Im Jahr 1945 war er an der Selbstbefreiung der Häftlinge in Hassenberg beteiligt. Nach 1945 arbeitete er im Landeskriminalamt von Halle/Saale und wurde Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) Später war er Chef der Grenzpolizei von Sachsen/Anhalt, Vorsitzender der GST in Berlin, und Angehöriger der Grenztruppen. 1996 erhielt er die Ehrenstaatsbürgerschaft Spaniens. Kurt Höfer verstarb am 6. April 1998 Hohen Neuendorf

18.Juli 1936 – Der Putsch der Generäle

“...So fuhr der Herr General Sanjurjo (José Sanjurjo, Anführer des Putsches im Juli 1936) nach Berlin, mit einem Begleiter natürlich, und in Berlin gab es die erste Konferenz mit Hitler und mit Göring. Tja, was da im Einzelnen gesprochen wurde, das kann man nicht alles aufzählen, aber es gab also ein Einverständnis, dass Hitler und Göring sagten; jawohl wir werden euch unterstützen in diesem Putsch, so gab es in den ersten Monaten nach dem Einsatz der Volksfrontregierung Mord und Totschlag.
So wie eben auch Ende des Februars 1933 in Erfenschlag, wo der Jungbannermann Paul Franke von Nazisöldnern, die aus Chemnitz kamen, aus der Stadt kamen, wir waren ja damals noch eine eigenen Gemeinde, meuchlings ermordet wurde. Durch die Dolchstiche in den Rücken starb er dann auf dem Transport ins Krankenhaus nach Chemnitz.
Und so war die Lage auch in Spanien. Es war eine Bewegung in Spanien. Die reaktionären Offiziere, sie hatten Waffenlager angelegt, sodass also die Vorbereitung zum Putsch der Generäle wirklich mit Waffengewalt vorbereitet wurde. Und da sie ja nun die Unterstützung schon von Herrn Hitler und Herrn Göring hatten, konnte ja nichts mehr schief gehen. Inzwischen war auch Mussolini mit einbezogen worden in die Hilfsaktion und von all diesen Herren bekamen die spanischen Generäle Unterstützung. In der Nacht zum 18. Juli kam aus Spanisch - Marokko ein Funkspruch übers ganze Land:  “Über ganz Spanien wolkenloser Himmel“. Das war der Funkspruch zum Aufstand der Generäle. Und sie  besetzten und mordeten gleich in den ersten Tagen. Und ich war damals gerade erst paar Monate aus dem Gefängnis raus, wie sagte man in Deutschland damals, wegen Vorbereitung zum Hochverrat, na ja und dann las ich die Zeitung “Der Völkische Beobachter“ mit so dicken Lettern drinnen: “Bolschewistischer Putsch in Spanien“. Dann sah ich die Bilder, die ersten grausamen Bilder, von Toten die in den Straßengossen lagen - “Die Bolschewisten wüten in ganz Spanien“. – Aber was war los in Spanien damals? - Das Volk wollte nicht, dass die nun endlich errungene Demokratie, die schon in den letzten Jahren niedergerungen wurde, von den faschistischen Machthabern, reaktionären Generälen - z.B. Franco war schon beteiligt in Asturien bei dem Bergarbeiterstreik, wurde er hoch geschickt mit seinen Truppen, na da gab es “nur“ einige tausend Tote. Und “nur zehntausend die ins Gefängnis kamen und die in die Kerker kamen. Und der Streik wurde also blutig nieder geschlagen – unter Führung des Generals Franco. - Aber eben hier war das Volk wachsamer geworden. Und sie stürmten die Kasernen, in denen die sogenannten Nationalspanier - nun “Nationalspanien“ machen wollten. Stürmten die Kasernen mit bloßen Fäusten, eroberten in den Kasernen die ersten Gewehre, die ersten Waffen und rüsteten sich weitere Kasernen, nicht nur in Madrid, sondern auch in den anderen Städten, zu stürmen um das erste Pack, das den Faschismus einführen wollte in Spanien, zu zerschlagen, sodass in allen größeren Städten Spaniens der Putsch nieder geschlagen wurde. Vom Volk das nur mit geringen Waffen, nur mit Infanteriewaffen nun also versuchte seine Demokratie zu erhalten...:“

Deutsche auf der anderen Seite

“...in der Hamburger “Zeit“ (in einem Artikel über den Spanienkrieg – erschienen 1996) wurden nicht nur Interbrigadisten wie ich, sondern auch Kamerad Kurt Goldstein interviewt. Neben uns wurden dann auch Interviews gemacht mit ehemaligen Kämpfern der Legion “Condor“. Naja, da sagt natürlich auch einer, das war natürlich nicht so, dass wir freiwillig – sondern wir waren angetreten und da hieß es dann; bist du bereit, nach Spanien mitzugehen? “Zu Befehl!“ – hat er die Hand an die Mütze gelegt, und dann war das erledigt und dann ging er eben nach Spanien. Also so unfreiwillig war das gar nicht. Und ein anderer sagt, ja - naja, Spanien, natürlich, ich wollte ja unbedingt, ich wollte mir später ja mal einen LKW kaufen und wollte ein Fuhrgeschäft aufmachen und in Spanien gab es ja Zusatzlöhnung, für die, die da in der Legion “Condor“ waren. Na ja, ich kann sogar mal vorlesen, was nicht aus unsern Archiven stammt, sondern aus dem Archiv der damaligen Reichsregierung. Es war so, dass ein Soldat bis Obergefreiter, monatlich 600 Mark Löhnung bekam – Spanieneinsatz. Dass ein Unteroffizier 800 Mark – Reichsmark, Löhnung bekam, und dass ein Feldwebel und Oberfeldwebel 1000 Reichsmark bekamen. Und dazu kam noch, wer in Frontnähe eingesetzt war, bekam monatlich noch dazu 300 Mark.
Ihr seht, auch von Erfenschlag, vier meiner Mitschüler, von meiner Schulklasse damals, waren bei der Legion “Condor“. Die Mutter von dem einen, Rudi Schindler, die bekam eines Tages einen Brief von ihrem Sohn, und das hörte einer von unseren Genossen damals, sie hatte das erzählt gehabt, ja da steht dann drin, dass er einige Wochen oder Monate vielleicht jetzt sogar, nicht schreiben wird, denn sie ziehen ins Manöver und da können sie also nicht schreiben. Aber sobald er vom Manöver wieder zurück ist, nun dann, wird er sofort wieder schreiben. Einen Monat später bekam die Familie Schindler 1000 Reichsmark von der Reichsregierung angewiesen, wo sie dachte - was ist denn das? – wieso haben die auf einmal 1000 Reichsmark geschickt? Sie wussten im Moment gar nicht woher. Aber eben – mein Kamerad, Päßer Adolf, der klärte auf, der hatte natürlich auch schon den “Feindsender“ gehört, aus London und auch aus Moskau, nachts – und da wurde eben von der Legion “Condor“ erzählt, was die da unten treiben. Sodass er also sagen konnte, ja der ist in Spanien, in dem Krieg. Na ja, für 1000 Mark im Monat, gegenüber – ich weiß nicht, was es hier an Sold gab, ein “paar Groschen“, damals in der Wehrmacht.
Aber eben dort konnte man Geld verdienen, der eine wollte eben Geld verdienen, und so hat er dann eben auch ja gesagt....“

Hoffnung – Spanien

“...Und ich blieb eben Jungkommunist, und hörte auch die “Feindsender“, und hörte von den Internationalen Brigaden dann, die da im August-September dort schon als geschlossene Formation oftmals auftraten und Hans Beimler und der Centuria- “Thälmann“ ,  sodass ich mir mit einem anderen Kameraden dann sagte, “Menschenskinder können wir endlich die Fäuste aus den Taschen nehmen! Die wir jetzt nur in der Tasche ballen können - die Fäuste - nehmen wir sie heraus die Fäuste und kämpfen mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus! – in Spanien - und gegen den deutschen Faschismus – auch in Spanien kämpfen wir für den Frieden in Europa!“. Das war die Frage, denn nicht für umsonst hatte damals die Kommunistische Partei zu den Präsidentenwahlen (Wahlen zum Reichspräsidenten 1932) gewarnt: “Wer Hindenburg wählt, hilft Hitler und wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“. Der stand auf der Tagesordnung bei den deutschen Faschisten. Also wollten wir in Spanien auch für den Frieden in Europa kämpfen. So begannen wir zu organisieren und erst noch 14 Tage vor Weihnachten 1936 traf ich einen anderen Kumpel, mit dem ich zusammen im KZ war und der dann nach Bautzen kam, weil er zwei oder drei Jahre Gefängnis bekam, auch wegen “Vorbereitung zum Hochverrat“. Und den traf ich dann wieder auf dem Tanzboden im “Kästel“, da in Reichenhain, was jetzt nur noch eine Ruine wert ist. Sagt der; “Mensch ist ja prima, dass wir uns mal wieder sehen!“. Na klar, seit Sachsenburg (der Haftzeit im KZ) hatten wir uns nicht mehr wieder gesehen. Das war ‘33. Und er sagte: “Da können wir uns ja öfter sehen. Mich haben sie verfrachtet nach Magdeburg als Maurer, nun muss ich also dort arbeiten.“ Na, ich sage: “Da wird nichts draus Fritz! Ich vereise.“ – Er: “Wie denn verreisen?“ Nun ich sagte: “Bald sogar, in vierzehn Tagen bin ich nicht mehr hier.“ “Nimm mich mit!“ - sagte er. Ich hatte gar nicht gesagt wo ich hin verreise. Aber für Fritz Baumgärtel aus Harthau war das klar, dass mein Weg nur nach Spanien gehen konnte. Nun ich sagte: “Bitte schön Fritz, am 1. Januar früh um 8 Uhr Treffpunkt hier am “Kästel“, mit Fahrrad und so einem kleinen Beutelchen hinten drauf“. Nun ja, am 1. Januar, früh um acht, ich kam an mit dem Fahrrad und der Fritz kam gerade den Berg runter, wo die Brücke ist, Eisenbahndurchfahrt. Guten Morgen gesagt, Neujahr gewünscht und dann sind wir los gestrampelt. Nun ja, ich meine andere sind damals auch nicht schneller gereist. Wir sind zwar in Etappen gefahren, mit Fahrrad zwei Tage, in dem Sauwetter. Es hat geregnet und geschneit am 1. Januar, 2. Januar dann schon, wo wir von Leipzig weiter fuhren. Aber eben, wir haben es geschafft....“

Anlaufpunkt in Spanien

“...die Festung Figueras – unser erster Anlaufpunkt, wo wir im Übrigen in den Katakomben – der Fritz Buamgärtel war schon früher aus dem Stroh raus gekrochen – und ist dann in den Katakomben lang gelaufen und kam auf einmal zurück und sagte: “Mensch ich habe Namen entdeckt!“ Ich sage: “Welche Namen denn?“ “Naja“ – sagte er – “Der ist eingeritzt in den Wänden: WK – WJ – das kann nur der Kinzel Werner sein und das kann nur der Walter Janka sein.“ Sie waren beide, nachdem sie ihre Strafen verbüßt hatten in Bautzen, dann nach der CSR ausgewiesen worden, weil die Eltern waren ja Tschechen und deswegen waren die Kinder dann auch Tschechen – na ja – und sie wurden ausgewiesen aus Deutschland als gefährliche Rote – das ist klar. Anders war das nicht möglich. Und sie waren vielleicht einen Transport früher schon angekommen, als wir – in der Festung Figueras und hatten sich verewigt an den Wänden in den Katakomben. Na ja – ist klar – wir haben sie dann in Mahora – haben wir uns dann wieder getroffen. Ich habe sofort gefragt: “Na sind da nicht auch welche von Chemnitz hier?“ – “Ja ja, da sind Vorgestern auch welche angekommen, die seht ihr morgen früh beim Kaffeetrinken, das ist da im Garten, in dem großen Garten von dem Pfarrer dort, ja - da ist die Gulaschkanone aufgebaut und da werdet ihr die schon sehen.“ Na ja – und dann war es so. Werner Kinzel und Walter Janka trafen wir in diesem spanischen Dorf Mahora, 20 km von Albacete entfernt...“

Verständigung – nicht nur eine Frage der Sprache

(Die letzte Etappe auf dem Weg nach Spanien wurde von Frankreich aus mit dem Zug zurück gelegt.) “...Auf jeder Station, wo der Zug hielt waren wir auf dem Bahnsteig von hunderten Menschen umringt, die uns zujubelten, die uns Geschenke brachten. Es gab auf unserem Eisenbahncoupé - da gab es früher noch die Netze, die Älteren werden das noch kennen, wie das auf der Eisenbahn aussah, oben waren also die Gepäcknetze drin - na ja, die waren voll Apfelsinen geschüttet schon, immer wieder, auf jeder Station kam wieder neuer Nachschub an Apfelsinen, manche brachten sogar Zitronen. Die da natürlich für uns so quietsche sauer waren - ja. Sie brachten Weintrauben, die da auch in diesen Wintermonaten, die in Kork – praktisch bewahrt werden, in Korkfässern, und dann noch ganz frisch sind – ja – so im Januar war das noch frischer Wein für uns. Sie kamen an mit Ballons, mit Weinballons – ja – gaben sie rein, durch das Fenster. Also an jeder Bahnstation war ein Freudenfest. Das kannten wir – wir Deutschen - nicht und ich glaube auch viele von den anderen Kameraden, die dort in dem Zug saßen, die aus anderen Ländern kamen kannten es nicht.  Na ja, ich war damals nun schon als junger Mensch interessiert und auf einmal da hatte man mir gesagt: “Du machst den Transportleiter!“, “Den stellvertretenden Transportleiter!“, ergänzte der das sagte noch. “Der Transportleiter steigt unterwegs zu, der wird sich bei Dir dann noch melden“. Pustekuchen, das war nur ein Vorwand, dass ich ruhig hielt, dass ich nicht sagte, nö – ich mache das nicht. Klar ich konnte gut Sächsisch damals – ja – sehr gut Sächsisch sogar, aber in einer anderen Sprache war kaum zu reden. Ich konnte nicht Französisch, ich konnte auch nicht Spanisch, ich konnte nicht Norwegisch oder Dänisch, kein Flämisch – aus Belgien – und sie kamen ja aus vielen Ländern da zusammen. Na ja – ich bin dann die ganze Nacht in dem Zug immer rauf und runter gelaufen – ja – in die Coupés, wo die – na ja – man kannte sie dann schon, die wurden vorgestellt da auf dem Bahnsteig in Paris – und dann – na ja – sind wir rein “uhh Kanerad“ – ging das gleich los, wir verstanden zwar sprachlich uns nicht, aber mit unseren Herzen hatten wir nur eine Sprache. Und das war Kampf gegen den Faschismus, Kampf gegen den Krieg in Spanien. Und da verstanden wir uns alle. Wir verstanden uns alle. So war es auch dann später an der Front. Wir verstanden uns wirklich alle.
Ich wurde schon nach – na ja – sechs Tagen war ich an der Front, an der Jarama-Front, auf einmal wurde ich zum Bataillonschef gerufen, “So pass mal auf: sprichst Du spanisch?“ – “Nö!“ – sage ich “Spanisch? – ich bin doch erst einen Monat hier.“ – Er: “Na ja – ein bisschen?“ – “Na ja“ – sagte ich. “Klar! Vino kann ich schon sagen, coplita…“ – also Essen, Wein – na ja und - buenosdias– das konnte ich auch schon sagen. “Nu“ – sagte er – “Da sprichst Du ja schon allerhand!“ Da kommt der Kompaniechef von der 1.Kompanie – “Hier steht er!“ – sagte er. “Der will Dich haben als Zugführer.“ Na ja - wie ich dazu kam? – ich weiß es – er hatte mich erlebt. Einige Stunden hatte ich seine Stellung, vorgeschobene Stellung, noch gehalten, weil er noch vor gekrochen war, um einen Verwundeten zu holen, und ich kam mit Ersatz – mit zwei Panzern an, die ich von der rechten Flanke nach der linken transportiert hatte und da lernte er mich in zwei Stunden nun kennen. Und da ist er am nächsten Tag schon beim Bataillonskommandeur gewesen und hat gesagt: “Du, den will ich haben! – den Melder!“ Ich bin damals per Beene vor dem Panzer her gerannt, um sie schnell an diese Stelle zu bringen. Da wurde ich Zugführer. Da sagte er also: “Pass mal auf – das sind alles Spanier.“ “Das geht doch nicht!“ sagte ich. “Spanier? – wie kann ich denn da einen Zug führen?“ – “Mensch das schaffst Du schon!“ sagte er, der Kommandeur. Also bin ich hin, natürlich war das so, dass ich kaum Spanisch konnte. Ich habe mich dann hin gestellt, ich wollte mich ja nun – meiner Gruppe, die war etwas zurückgezogen worden – den wurde ich nun vorgestellt, den Spaniern. Na da guckte ich schnell in mein Wörterbuch rein – was heißt denn das nu – Zugführer? Da lese ich dann – Zugführer – aha Repetetrain – na ja – wusste ich was train ist? - das wusste ich damals auch nicht – also “Repetetrain“ – sagte ich – na ja - klar dann hab ich nun angefangen – “Yo soy esto Repetetrain.“ – Da guckten die zwar auf einmal – “si, si teniente! – si, si teninete!“ – kriegte ich zur Antwort. Also Teniente das war ein Leutnant und Zugführer war der Dienstgrad eines Leutnants. Aber ich war ja nun Soldat, ich verstand nun wieder nicht, was der Teniente ist. Aber sie waren sofort begeistert, nicht wahr und – naja – dass man also auch Zugführer wurde in einer Einheit, wo nur Spanier sind. Aber es ging. Ich habe dann das ihnen vor gemacht, wie man kämpfen kann und kämpfen muss. Und das ging wunderbar, sodass ich also sagte – nunja – wird schon gehen. Eines Tages wurde ich erwischt, ich wurde verwundet, an der Jaramafront und kam ins Hospital, um – naja –meine Verwundung wieder auszukurieren....“

Kurzes Resümee

“...Und ich würde so sagen; all diesen Chemnitzer Kameraden, die in Spanien gefallen sind und die auch in den letzten Jahren noch gestorben sind, wirklich Ruhm und Ehre! – diesen Kameraden, die für die Freiheit, für die Demokratie in Spanien gekämpft haben.
Und wenn es heute so ist, dass in Spanien, die spanische Regierung dann den Vorschlag des Parlaments, diese Novelle bestätigt hatte – und wenn also der König, die Regierung von Spanien anerkennt diejenigen, die damals für die spanische Republik gekämpft haben, dann ist das eine hohe Ehre, die uns zu Teil wird. Wir können nicht die spanische Staatsbürgerschaft übernehmen. (Beim Abschied der Internationalen Brigaden 1938 hatte die Regierung versprochen, dass alle Kämpfer in Spanien ihr Heimatland haben können, wenn es denn wieder befreit wäre. 1996 wurde dieses Versprechen umgesetzt und die noch lebenden Kämpfer erhielten eine Ehrenstaatsbürgerschaft. Ab 2009 können sie regelrechte Staatsbürger werden.) Es gibt in Deutschland Gesetze, die besagen, es gibt nur eine Staatsbürgerschaft und wenn ich Spanier werden will, dann muss ich die deutsche absagen. Aber ich war schon einmal staatenlos, von 1937 an wurde ich staatenlos gemacht vom faschistischen Reich, bis 1945 war ich staatenloser Geselle. Erst 1945 wurde ich wieder deutscher Staatsbürger. Und ich habe nicht die Absicht nach Spanien zu ziehen und Spanier zu werden. Und in Deutschland als Ausländer zu leben, das weiß ich, wie gefährlich das ist. Deswegen möchte ich nicht als Ausländer in Deutschland leben. Also ich bleibe deutscher Staatsbürger. Wir erhalten in Spanien am 5., am 6. November ist diese festliche Veranstaltung, wo uns empfängt der Präsident des Abgeordnetenhauses, der Cortes. Wo wir empfangen werden vom Präsidenten von Madrid, der Region Madrid, von dem Bürgermeister von der Stadt Madrid und von Repräsentanten von Organisationen und Parteien. Aber eben interessant war auch, als die Gesetzesnovelle vom Parlament, von drei Parteien, der katalanischen Partei – National Katalan und der baskischen Partei, die im Parlament vertreten ist und der Iskuerta Unida – von den vereinten Linkskräften wurde diese Novelle eingereicht und alle Parteien haben dieser Novelle zugestimmt. Alle Parteien! Auch die rechte Partei. Und das ist das Große....“


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Über die Anfänge der Konzentrationslager in Sachsen

Dr. Hans Brenner und seine 50 Mitstreiter habe ein umfangreiches Werk über die Anfänge der Konzentrationslager in Sachsen vorgelegt. Die Neuerscheinung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung wirft ein neues Licht auf die Zeit der Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in Sachsen. Zu den Themen zählen das System der Frühen Konzentrationslager von 1933 bis 1937 (mit mindestens 80 sächsischen Städten und Gemeinden), die politischen Prozesse gegen Gegner des NS-Systems, Opferschicksale aus den verschiedenen Verfolgten-Gruppen und die als Todesmärsche bezeichneten Evakuierungsmärsche aus Konzentrationslagern und deren Außenlagern ab Herbst/Winter 1944 über sächsisches Territorium. Mit einem umfangreichen Datenanhang und vier thematischen Karten liefert das Buch neuestes Forschungsmaterial für die sächsische Heimat- und Landesgeschichte. Brenner, Hans / Heidrich, Wolfgang / Müller, KlausDieter / Wendler, Dietmar (Hrsg.) NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Von den Frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden 2018, 624 S