Werner Spicker, von den Nazis als "Halbjude" bezeichnet, wurde 1944 in die Normandie deportiert.

Am 31. August 1921 wurde Werner Spicker in Memel, früher Ostpreußen (heute Klaipėda in Litauen), geboren.

 

Sein Vater war Berufsmusiker, die Kapelle spielte in verschiedenen Städten. 1930 kam die Familie nach Chemnitz und wurde sesshaft und wohnte in der Annenstraße 20. Werner besuchte die Annenschule am Bernsbachplatz. 1934 mussten Schüler eine Ahnentafel einreichen. Da sein Vater aus einer jüdischen Familie stammte, wurde die eheliche Verbindung der Eltern als „Mischehe“ eingestuft und Werner als "Halbjude" bezeichnet.

Der Direktor der Annenschule war ein SA-Mann. Er ordnete an, dass Werner nicht am Turnen, an Wanderungen und dem Sport oder Spiel-Samstag teilnehmen durfte. Dafür mussten er und ein weiterer Schüler, Lassmann, den Schulhof säubern.

Die 9. und 10. Klasse sollte Werner in der Diesterweg-Schule absolvieren. Nach der 9. Klasse wurde er von der Schule verwiesen. Begründung: als "Halbjude" bräuchte er den Abschluss 10. Klasse nicht, da er auch keine Lehrstelle bekomme. Das traf auch so ein. Zunächst fand er aber Arbeit als Volontär in der Strumpf- und Trikotagenfabrik Isaak Paretzkin in Mittelbach. Der Inhaber floh nach England und der daraufhin eingesetzte Reichstreuhänder Fischer warf Werner sofort raus. Er wollte einen rein arischen Betrieb. Bei der weiteren Arbeitssuche gab es meist dieselbe Begründung. Eine neue Arbeit fand Werner, nach vielen Ablehungen, als Lagerist bei der Werkzeughandlung Hagedorn in der Hartmann-Straße und später als Expedient in der Spedition Gottfried Odrich. Die musste er beenden, weil er irrtümliche zum Arbeitsdienst nach Artern a.d. Unstrut einberufen wurde.

Dieses Lager wurde bereits nach 4 Monaten geschlossen. Die Insassen mussten sich im Wehrkreiskommando melden. Dort erfuhr Werner, dass er keinen Wehrdienst zu leisten habe. Sein Personalausweis erhielt den Stempel "wehrunwürdig". Werner konnte zurück nach Chemnitz und die Arbeit bei Odrich in der Theaterstraße wieder aufnehmen.

Anfang 1944 bekam er auf einen Befehl Himmlers hin die Aufforderung sich in Dresden einzufinden. Unter Leitung der Organisation Todt wurde er in die Normandie zwangsverschickt. Zu dieser Zeit erwartete die Wehrmacht einen Invasionsangriff der Alliierten. Wehrbefestigungen wurde errichtet. Zu diesem Zweck wurde Werner zusammen mit vielen anderen, auch Kriminellen eingesetzt.