Ein Kind von Zwangsarbeitern – im Krieg in Chemnitz geboren

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Ein Kind von Zwangsarbeitern – im Krieg in Chemnitz geboren

Für Aleksej Skripnik ist es ein bedeutungsschwerer Tag. Im Juni 2014 kehrt er erstmals an den Ort seiner Geburt zurück. Er lebt jetzt in Jekatarinenburg. Beinahe 70 Jahre sind vergangen. Er wurde im kalten November 1944 in eine Welt der Unterdrückung, der Menschenfeindlichkeit, des Krieges hineingeboren.
Seine Eltern, Zwangsarbeiter, waren von den Faschisten nach Deutschland verschleppt worden. Deutschland brauchte dringend Arbeiter, denn der Krieg verschlang Waffen und Männer, und immer mehr Waffen wurden gebraucht. Die Frauen konnten in Deutschland die Waffenproduktion allein nicht aufrecht erhalten.

In 393 Chemnitzer Industrie- und Handwerksbetrieben, in städtischen und staatlichen Einrichtungen und Betrieben, in Hotels, in Gaststätten und auch privaten Haushalten arbeiteten Zwangsarbeiter aus allen Ländern, mit denen das faschistische Deutschland Krieg führte.

Fast nichts erinnert in Chemnitz noch an diese Zeit.

Doch einige Spuren kann Aleksej Skripnik noch finden. In der Blankenauer Straße befand sich das Zwangsarbeiterlager, in dem er geboren wurde – einer von vielen solcher Orte in Chemnitz. Er will die letzte der Baracken, die in Chemnitz noch steht, sehen – eine Baracke der Zwangsarbeiter der Autounion Chemnitz.

Sein Weg führt ihn auch zum Ehrenfriedhof für die sowjetischen Soldaten am Richterweg, zum Denkmal für die hier begrabenen und geehrten Zwangsarbeiter, die die Hölle nicht überstanden haben. Dabei entdeckt er die kleinen Gräber für Kinder, die wie er in der Gefangenschaft geboren worden waren aber auf Grund der furchtbaren Verhältnisse in den Zwangsarbeiterlagern es nicht geschafft haben zu überleben.

Er sagt vor seiner Abreise aus Chemnitz, dass er die erlebte Gastfreundschaft in seiner Geburtsstadt nie vergessen und vor allem seinen Enkeln zu Hause darüber berichten wird.

Aufgeschrieben von Thiemo Kirmse und Johanna Güther